Geschichte Österreich

Gründerkrach

Der Crash der Finanzmärkte nach der Gründerzeit

Im Jahre 1873 erfuhren die Börsen und allen voran die Finanzmärkte einen enormen Einbruch. Der Krach war wohl ein Resultat der vorangegangenen Hochkonjunktur (seit der Reichsgründung 1871 ist die deutsche Wirtschaft sichtlich erblüht), die anschließend regelrecht zu heiß wurde. Als Abkühlung folgte der Gründerkrach, der das Ende der Gründerzeit und den Anfang der sogenannten Gründerkrise markierte.

Die Begriffe Gründerzeit, Gründerkrach oder Gründerkrise betreffen in erster Linie das Deutsche Reich und , obwohl 1873 weltweit die Finanzmärkte kippten. Daraufhin verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum und Deflation trat ein. Die 1920er-Jahre werden von Wirtschaftstheoretikern oft als „Große Depression“ bezeichnet.

Zuvor in der Gründerzeit erlebten Aktien und Investitionen bis dahin noch ungeahnte Höhen und sie florierten so lange, bis es einfach zu viel wurde. Wenn man ganz oben angelangt ist, geht es wieder abwärts. Abwärts ging es dann auch, und zwar auf eine Weise, die man bis zu diesem Zeitpunkt wohl nicht für möglich gehalten hätte.

Der Gründerkrach: Ausgangspunkt in Österreich-Ungarn
Gerüchte einer Börsenerschütterung in Paris veranlassten die Österreichische Creditanstalt zum Verkauf von 20 Millionen Gulden in Wertpapieren. Das Resultat war eine Reihe an unmittelbaren Insolvenzen und totaler Wertverlust vieler Aktien. An jenem Tag gingen allein in Österreich-Ungarn 120 Firmen pleite. Aufgrund des Wertverlustes der Aktien brach die Wiener Börse zusammen. Im darauffolgenden Sommer erfasste die Krise London, kurz darauf dehnte sie sich auf Paris und New York und ein wenig später auch auf Berlin aus.

Gründe und Auslöser des Gründerkrachs
Übermäßige Spekulationen und ein zu starkes Vertrauen in die Börsen und Kapitalmärkte dürfte wohl indirekt auch mit ein Auslöser für die Gründerkrise gewesen sein. Die Spekulationen gerieten außer Rand und Band. Ein weiterer, nicht unwesentlicher, Auslöser bestand darin, dass Produktionskapazitäten stark erweitert wurden und ein Überangebot an Rohstoffen und Konsumgütern bestand, was zu einem Preisverfall führte. Dadurch wiederum reduzierte sich Chance auf große Gewinne für Anleger. Postwendend nahm die Produktion ab und bereits investiertes Kapital wurde wieder entnommen. Da weltweit ein Überangebot bestand, war es auch nicht möglich, die im eigenen Land produzierten Waren im Ausland abzusetzen. Zusätzlich dazu kamen äußerst billige Waren durch Import ins eigene Land, was die Nachfrage nach heimischen Produkten reduzierte. Otto Bismarcks Schutzzollpolitik für Industrie und Landwirtschaft sollte diesem Trend entgegenwirken.

Der „Schwarze Freitag“ an der Wiener Börse
Was zuvor überdurchschnittlich stark angewachsen war, wurde während der Jahre nach dem Gründerkrach mehr oder weniger an sein natürliches Niveau zurück ausgeglichen. 1872 verzeichnete das Nettoinlandsprodukt noch ein Wachstum von 8 Prozent, im Jahre 1879 lag es bei ca. 0 Prozent.  

5, Mai 1873 – die erste Welle an Kursverlusten, ausgelöst durch eine nicht gezahlte Nominale durch die Franko-Ungarische Bank sowie eine versprochene Sonderdividende, die anschließend nicht ausbezahlt werden konnte. Dies hatte negative Auswirkungen auf das Vertrauen der Anleger in die Bank. Ein wenig später, Freitag dem 9. Mai 1873, erfolgten an nur einem einzigen Tag 120 Insolvenzen, was drastische Kursverluste zur Folge hatte. Um 13:00 dieses Tages wurde die Börse durch die Polizei geschlossen. Dieser Tag ging als der Schwarze Freitag der Wiener Börse in die Geschichte ein.  

Der Schwarze Freitag bewirkte natürlich, dass viele Anleger sämtliche ihrer Wertpapiere verkauften und regelrecht ihre Konten räumten. Dies entzog dem Kapitalmarkt sehr viel Kapital, was sich auch auf übrige europäische und amerikanische Börsen ausweitete. Eine große Zahl an österreichischen Banken sowie viele kurz zuvor neu gegründete Unternehmen verschwanden durch den Gründerkrach vollständig von der Bildfläche.

Resultate und Auswirkungen der Gründerkrise
Weiterführende Information:
Ein unweigerliches Resultat dieser Wirtschaftskrise war, dass sich der Staat wieder mehr in die wirtschaftlichen Abläufe einmischte. Wirtschaftsliberalismus ade. Somit wurde dem Staat wieder eine gewisse Rolle, in die Wirtschaftsmechanismen einzugreifen, zuteil. Dies resultierte etwa in der Einführung von Schutzzöllen für importierte Waren und man versuchte, das Preisniveau am heimischen Markt in Deutschland höher als jenes am internationalen Markt zu halten. Dadurch erhöhten sich jedoch in Wahrheit die Preise für viele Waren und er erwünschte Aufschwung trat auch nicht wirklich ein.  

Die Gründerkrise führte auch viele negative Nebeneffekte mit sich, etwa die Theaterkrise im Zuge ausbleibender Besucher oder auch stärker aufkommender Antisemitismus, da man die jüdische Bevölkerung als „gierige Finanzkapitalisten“ bezeichnete und sie als Sündenbock für die fatale Wirtschaftslage heranzog.  

Die soziale Frage rückte in der Zeit der Gründerkrise wieder mehr in den Mittelpunkt, denn allen voran die mittlere Bürgerschicht, die über Einnahmen aus Aktien und Wertpapieren verfügte, sowie Erwerbslose zählten zu den am härtesten Betroffenen. Dies und die immer stärker werdende Urbanisierung, die die Lebensverhältnisse nicht unbedingt besserte, führte u.a. auch zu der bereits angesprochenen Anfeindung der Juden, was durch einzelne Personen noch zusätzlich geschürt wurde.  

Trotz der negativen Entwicklungen im Zuge der Gründerkrise, ist hierbei nicht von einer Depression, sondern lediglich von einer Stagnation die Rede. Schließlich wurde „nur“ die vorangegangene Hochkonjunktur ausgeglichen und wieder auf ein Nullniveau zurückgebracht. Man kann also von einer Zeit ausbleibenden bzw. unbeständigen Wirtschaftswachstums sprechen. In Europa streckte sich die Wirtschaftskrise über sechs Jahre, in den USA waren es vier.